Innen statt außen — Halles Chance zur smarten Stadtentwicklung 8. April 202618. März 2026 Jeden Tag werden bundesweit rund 51 Hektar Boden neu versiegelt. Das entspricht etwa 71 Fußballfeldern. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, diesen Wert bis 2030 auf unter 30 Hektar täglich zu senken. Von diesem Ziel sind wir weit entfernt. Auch Halle trägt seinen Teil dazu bei. Laut dem kommunalen Flächenrechner des Umweltbundesamtes wurden in Halle zwischen 2017 und 2022 durchschnittlich 11,3 Hektar pro Jahr neu versiegelt. Das sind 5,2 Quadratmeter pro Einwohner und Jahr. Halle liegt damit mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt (2,4 m²). Natürlich hat die A33 daran erheblichen Anteil — aber versiegelt ist versiegelt. Was dabei auf dem Spiel steht, ist enorm — und das vor einem alarmierenden Hintergrund: Aktuelle Messungen belegen, dass wir Menschen den Planeten derzeit um 0,35 Grad pro Jahrzehnt aufheizen. Dieser Wert liegt deutlich über früheren Erhebungen. Die Erwärmungsrate nimmt drastisch zu. Jede versiegelte Fläche verstärkt diesen Effekt lokal: Ohne Verdunstung heizt sich der Boden im Sommer extrem auf, Regenwasser kann nicht mehr versickern, Grundwasservorräte werden nicht aufgefüllt, und das Überschwemmungsrisiko bei Starkregen steigt. Lebensräume für Insekten, Vögel und Pflanzen werden zerschnitten und gehen dauerhaft verloren. Einmal versiegelter Boden ist, wenn überhaupt, nur unter enormem Aufwand wiederzubeleben. Vor diesem Hintergrund sieht der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in Halle die Planung neuer Gewerbegebiete und Wohnbaugebiete auf der grünen Wiese äußerst kritisch. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Für den Kreis Gütersloh wird bis 2050 ein Bevölkerungsrückgang von 0,7 Prozent prognostiziert. Durch den demografischen Wandel werden zunehmend große Wohnungen und Einfamilienhäuser frei. Was wirklich gebraucht wird, sind kleine, barrierefreie Wohnungen in innenstadtnaher Lage — und die lassen sich im Bestand entwickeln. Ähnliches gilt für Gewerbe und Industrie: Exportabhängigkeit, der Wandel in der Automobilbranche und Arbeitskräftemangel führen schon heute zu einem tiefgreifenden Strukturwandel mit ungewissem Ausgang für viele Betriebe. Wir erleben bereits heute, wie Betriebe im Strukturwandel ins Straucheln geraten. Auch so werden in den nächsten Jahren Gewerbeflächen frei. Alte Weisheiten wie „Mehr Gewerbe gleich mehr Gewerbesteuer“ oder „Mehr Einwohner gleich mehr Einkommensteuer“ mögen einmal gestimmt haben. Kluge Politik aber gestaltet die Zukunft nicht mit den Rezepten von gestern, sondern mit dem Wissen von heute. Warum also neue Flächen verbrauchen, wenn der Bedarf im Bestand gedeckt werden kann und unser Klima jeden Quadratmeter Grün dringend braucht?