Stille Nacht? Von wegen! – Ein Weihnachtsessen voller Stammtischparolen 6. Dezember 202428. November 2024 Weihnachten – das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit und, wenn man ehrlich ist, auch der hitzigen Diskussionen. Was als friedlicher Abend beginnt, endet nicht selten in der berüchtigten politischen Debatte. Einfach mal ein paar Feiertage ohne Reizthemen? Für viele bleibt das eine Illusion. So auch für die Meier-Müllers. Die Bescherung verlief harmonisch, die Kinder spielten glücklich mit ihren neuen Geschenken, und die Großeltern genossen die letzten Plätzchen. Doch dann betrat Onkel Rolf die Bühne – frisch gestärkt von der letzten Stammtischrunde, bewaffnet mit Parolen. „Ich sag’s euch, früher war alles besser. Da wollten uns die da oben noch nicht bevormunden und bleib mir weg mit der veganen Fleischalternative!“, stieß er überzeugt aus, während er sich großzügig Braten auf den Teller lud. Tante Hilde, die gehofft hatte, das Gespräch würde sich um neue Rezepte drehen, verdrehte die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Lena, Rolfs Nichte und Politikwissenschaftsstudentin, war bereit, einzugreifen. Aufgeben oder Onkel Rolf unkommentiert sprechen lassen? Keine Option. Mit einem unschuldigen Lächeln konterte sie: „Ach, Onkel Rolf, gäbe es keine Regeln und Gesetze, wäre doch auch nichts besser! Sonst würden uns die ‚Ausländer‘ noch die Zahnarzttermine wegschnappen, nicht wahr?“ Sie grinste verschmitzt und beobachtete, wie Onkel Rolf kurz ins Straucheln geriet. Doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Genau das meine ich doch, Lena! Diese ‚Ausländer‘ kommen doch nur, um unser Sozialsystem auszunutzen.“ Lena erinnerte sich an die Taktik ihres Professors – gezielte Fragen stellen. „Interessant, Rolf. Hast du Zahlen dazu? Wusstest du, dass viele Einwanderer in Berufen arbeiten, die unser System stützen, zum Beispiel in der Pflege? Langfristig zahlen viele genauso viel oder mehr ein, als sie herausnehmen.“ Die Familie hielt gespannt den Atem an, während Rolf nach Worten suchte. „Ja, ja, das erzählen die Medien immer so. Aber die Politiker wirtschaften doch eh alle nur in die eigene Tasche!“ Lena seufzte innerlich. Der „Politiker-sind-alle-schlecht“-Joker war ein Klassiker. Sie entschied sich für Ironie. „Weißt du, Onkel Rolf, du hast so recht. Eigentlich solltest du das Land regieren! Dann könnten wir auf den ganzen wissenschaftlichen Schnickschnack verzichten.“ Das brachte die Runde zum Lachen. Selbst Rolf konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Doch er blieb standhaft. „Wir brauchen wieder einen starken Mann an der Spitze. Die Demokratie funktioniert doch eh nicht mehr.“ Jetzt mischte sich auch Tante Hilde ein. „Ach, Rolf, ohne dich wäre unser Esstisch nicht halb so unterhaltsam!“ Am Ende des Abends hatte Lena zwar nicht die Ansichten ihres Onkels geändert, aber ihm den Wind aus den Segeln genommen. Die Familie lernte: Man muss Stammtischparolen nicht mit Wut begegnen. Eine kluge Frage, ein Lächeln oder eine Prise Humor reichen oft, um eine Diskussion in erträgliche Bahnen zu lenken. Die GRÜNEN Halle wünschen Ihnen und Ihrer Familie friedliche Feiertage.